Einleitung
Schon längst haben sich die Zeiten geändert, in denen Computerlautsprecher ein trostloses Dasein als kleine graue Würfel auf dem Schreibtisch gefristet haben. Wer seinen Computer lediglich für Office-Anwendungen nutzt, braucht prinzipiell keine besonderen Lautsprecher. Wer hier und da mal ein Musikstück am Computer wiedergibt, der mag sich auch mit günstigen Lautsprechern zufrieden geben. Doch echte Audio- und Videoenthusiasten, die zahlreiche multimediale Anwendungen am Computer betreiben oder regelmäßig Computerspiele spielen und insbesondere Computeranwender, die ihren PC als Media Center im Wohnzimmer nutzen, sollten großen Wert auf eine adäquate Audioausstattung legen. Dieser Kaufberater soll die grundsätzlichen Typen von Computerlautsprechern vorstellen und den Leser in technische Spezifikationen einweihen, um die Kaufentscheidung zu erleichtern. Die grundlegenden Prinzipien der Tonerzeugung mittels Schwingspule und Membran sowie die technischen Details bezüglich Widerständen, Schalldruck und Impedanz sind identisch mit denen herkömmlicher Lautsprecher. Sollten Sie sich zu diesen Themen informieren wollen, so werfen Sie einen Blick auf unseren Kaufberater für Lautsprecher. Im Folgenden soll auf spezifische Details von Computerlautsprechern eingegangen werden.
Formen von Computerlautsprechern
Genau wie bei herkömmlichen Lautsprechern auch, gibt es bei Computerlautsprechern eine Fülle unterschiedlicher Varianten und Bauformen.
Monitorlautsprecher
Die einfachste Lautsprecherform sind so genannte Monitorlautsprecher. Diese sind entweder werksseitig in einen Monitor bzw. Flachbildschirm integriert oder können nachträglich an dafür vorgesehener Stelle angebracht werden. Aufgrund ihrer geringen Größe sind diese Lautsprecher nicht besonders leistungsstark und sind in erster Linie für Anwender geeignet, die ihren PC vor allem für Office-Anwendungen und gelegentliche Audiowiedergabe nutzen. Bei Monitorlautsprechern sollte darauf geachtet werden, dass diese möglichst gut magnetisch abgeschirmt sind, da sie bei Röhrenmonitoren zu Bild- und Farbverzerrungen führen können.
2-Kanal Lautsprecher
Bei herkömmlichen 2-Kanal Lautsprechern handelt es sich um zwei kleine Lautsprecher mit in der Regel integriertem Verstärker, die links und rechts auf dem Schreibtisch platziert werden. Einer der Lautsprecher wird an die Soundkarte angeschlossen und verfügt über einen Lautstärkeregler. Der zweite Lautsprecher wird mit dem ersten verbunden und bedarf so keiner direkten Verbindung mit dem Computer. Aufgrund der geringen Größe dieser Modelle sind Gehäusevolumen und verbaute Membranen nicht allzu groß. Daher ist die Bedienung des niederen Frequenzbereichs nicht optimal und der Klang wirkt nicht satt, sondern hoch und blechern. Auch diese Lautsprecher sind nur für gelegentliche Audiowiedergabe oder gelegentliches Spielen am Computer zu empfehlen.
2.1 Lautsprechersysteme mit Subwoofer
Auch bei 2.1 Systemen werden zwei kleine Lautsprecher auf dem Schreibtisch platziert. Ähnlich wie bei 2-Kanal Lautsprechern wird nur eine der Komponenten direkt mit dem Computer verbunden, die übrigen Komponenten werden untereinander vernetzt. Hinzu kommt, gegenüber dem 2-Kanal System, ein aktiver oder wahlweise passiver Subwoofer. Da die in den Lautsprechern verbauten Membranen äußerst klein sind und niederfrequente Töne nicht oder nur mangelhaft wiedergeben können, wird dieser Frequenzbereich vom Subwoofer bedient. Je nachdem, ab welcher Trennfrequenz der Subwoofer beginnt, Töne wiederzugeben, kann er beliebig platziert werden oder nicht. Tonfrequenzen unter 100 Hz können vom menschlichen Ohr nicht geortet werden. Subwoofer mit einer Trennfrequenz unter dieser Grenze können somit frei im Raum, zum Beispiel unter dem Schreibtisch, platziert werden. Handelt es sich um ein System mit aktivem Subwoofer, so befinden sich Verstärker und Lautstärkeregler in der Regel im bzw. am Subwoofer. In diesen Fällen sollte er möglichst leicht erreichbar aufgestellt werden. Da Systeme mit Subwoofer über einen volleren und satteren Klang verfügen, sind diese auch für regelmäßige Musikwiedergabe am Computer geeignet. Wer Filme mit Raumklangeigenschaften am Computer betrachtet, sollte auf eines der folgenden Systeme ausweichen.
Surround Systeme
Surround Systeme verfügen in der Regel über 4 Lautsprecher oder 4 Lautsprecher und einen Subwoofer. Auch hier kann es sich beim Subwoofer um ein aktives oder passives Modell handeln. Zum Anschluss eines Dolby Surround Systems bedarf es nicht zwangsweise einer speziellen raumklang-geeigneten Soundkarte. Vielmehr verfügen zahlreiche Dolby Surround Systeme über einen integrierten Soundprozessor, der in einem Matrixverfahren zweikanalige, analoge oder digitale Toninformationen in fünfkanalige Informationen umwandelt (front rechts, front links, surround recht, surround links, Subwoofer). Bei Surround Systemen ist auf eine genaue Positionierung der einzelnen Lautsprecher zu achten, da diese im Idealfall ein Quadrat mit dem Hörer im Mittelpunkt bilden sollten. Beim Subwoofer gilt wieder, dass je nachdem ab welcher Trennfrequenz er Töne wiedergibt, er frei platziert werden kann oder nicht.
Dolby Digital Systeme
Dolby Digital ist ein von den Dolby Laboratories Inc. entwickelter Standard (auch AC-3 genannt), der ursprünglich in Kinos und mittlerweile auch im heimischen Wohn- oder Arbeitsbereich Anwendung findet. Zum Anschluss eines Dolby Digital Systems am Computer bedarf es einer speziellen Dolby Digital fähigen Soundkarte. Diese verfügt in der Regel über einen optischen oder koaxialen Digitalausgang, über den der Computer mit den Lautsprechern verbunden wird. Dolby Digital Systeme sind in den Audiostandards 5.1, 6.1 und 7.1 erhältlich, wobei die Zahl vor dem Punkt für die Anzahl der (Satelliten-)Lautsprecher und die Zahl nach dem Punkt für das Vorhandensein eines Subwoofers steht. Die gängigsten Systeme sind Dolby Digital 5.1 (auch DTS) Systeme, bei denen zwei Frontlautsprecher, zwei Surroundlautsprecher, ein Centerlautsprecher und ein Subwoofer angesprochen werden. Hochwertige Systeme verfügen über im Verstärker integrierte Equalizer und verschiedene Klangmodi, die unterschiedliche Umgebungen simulieren und das System so ideal an die entsprechende Anwendung anpassbar machen (zum Beispiel Spielfilme, Musik, Computerspiele etc.). Zudem verfügen hochwertige Dolby Digital Systeme oftmals über eine Fernbedienung, die das Bedienen des Systems erleichtert. Bei solchen Systemen sind Steuerungseinheit und Subwoofer bzw. Lautsprecher in der Regel getrennt. In die Steuerungseinheit sind Verstärker und Soundprozessor integriert. Die Soundkarte im PC wird direkt mit der Steuerungseinheit verbunden, die dann die Toninformationen an die angeschlossenen Lautsprecher weitergibt.
Anschluss
Beim Anschluss von Lautsprechersystemen an den Computer unterscheidet man verschiedene Varianten.
3,5 mm Klinke
Die wohl gängigste Anschlussmethode ist der 3,5 Millimeter Klinkenstecker. Jede gängige Soundkarte – auch Onboard Soundkarten – verfügen über einen solchen Anschluss. Der Klinkenstecker erlaubt die Übertragung von Toninformationen in Stereo, was seinen Einsatz in Surround Systemen an Grenzen stoßen lässt. Um auch bei Mehrkanalsystemen auf herkömmliche Klinkenstecker zurückgreifen zu können, verfügen einige Soundkarten und Lautsprechersysteme über so genannte Multi Channel Ein- bzw. Ausgänge. Hier können treiberseitig Line- und Kopfhörerausgänge der Soundkarte so geschaltet werden, dass die Karte letztlich über insgesamt drei Ausgänge verfügt. Einen für die Frontlautsprecher, einen für die Surroundlautsprecher und einen für den Subwoofer. Diese Anschlussmethode findet heute aufgrund des höheren Kabelaufkommens jedoch nicht mehr allzu oft Anwendung.
S/P-DIF
Die Abkürzung S/P-DIF steht für Sony/Philips Digital Interface, was auf die Entwickler des Übertragungsstandards schließen lässt. Das S/P-DIF Übertragungsprotokoll erlaubt sowohl die Übertragung digitalen 2-Kanaltons im PCM Modus (Pulse Code Modulation) in 32, 44,1 und 48 kHz sowie komprimierter Mehrkanalsignale gemäß AC-3 oder DTS für 5.1, 6.1 und 7.1 Lautsprechersysteme. Der Anschluss kann mittels eines Koaxialkabels mit Cinch-Stecker oder über ein optisches Kabel (Toslink) erfolgen. Der Vorteil einer optischen Verbindung über Lichtwellenleiter (LWL) ist die vermiedene Störanfälligkeit durch magnetische Felder anderer Strom- oder Audioquellen sowie die nicht vorhandene eigene Störabstrahlung. Somit können Erdschleifen (auch Brummschleifen genannt) vermieden werden, was zu einem klareren Klangbild ohne störende Verzerrungen führt.
USB
Einige Lautsprechersysteme können direkt an einen freien USB Anschluss am PC angeschlossen werden. Deutlichster Vorteil dieser Systeme: der Computer bedarf keiner gesonderten Soundkarte. Es handelt sich vielmehr um eine externe Soundkarte, die in das Lautsprechersystem integriert ist. Ein Nachteil ist jedoch, dass in der Regel auf digitale Schnittstellen oder analoge Eingänge verzichtet werden muss. Ein weiterer Nachteil ist, dass wenn mehrere, datenintensive Geräte, wie zum Beispiel externe Festplatten oder andere Wechselmassenspeicher per USB betrieben werden, Bandbreitenengpässe an der USB Schnittstelle entstehen können. Diese können im Zweifelsfall zu Soundaussetzern oder Verzerrungen führen.
Technische Daten
Leistung
Die Leistungsdaten von Computerlautsprechern sind naturgemäß deutlich niedriger als die herkömmlicher Wohnzimmerlautsprecher. Dies ist sowohl verstärker- als auch größenbedingt. Fakt ist jedoch, dass diese geringeren Leistungswerte aufgrund der Positionierung der Lautsprecher vollkommen ausreichend sind: oftmals sind die Frontlautsprecher aufgrund ihrer Platzierung auf dem Schreibtisch nur 1 bis 1,50 Meter vom Hörer entfernt, wobei dieser Abstand bei Wohnzimmerlautsprechern gut und gerne 3 bis 5 Meter betragen kann. So sind Leistungswerte von beispielsweise 6 bis 10 Watt für einen Satellitenlautsprecher und 20 bis 40 Watt für einen Subwoofer vollkommen ausreichend.
Schalldruck
Auch bei Computerlautsprechern gilt die Devise, dass dem Schalldruck oftmals mehr Beachtung geschenkt werden sollte als der Leistungsangabe in Watt. Der Schalldruck wird bei tönendem Lautsprecher in einem Abstand von 1 Meter in Dezibel gemessen. Liefert ein Lautsprecher bei einem Watt Ausgangsleistung einen Schalldruck von 100 dB, so ist dieser einem Lautsprecher mit einem Schalldruck von 70 dB vorzuziehen, selbst wenn letzterer eine Gesamtleistung von 10 und der andere Lautsprecher von nur 8 Watt hat. Auf das Zusammenspiel von Leistung und Schalldruck ist also genau zu achten, denn erst dieses gibt an, wie der Lautsprecher das ankommende Signal wirklich verwertet.
Frequenzgang
Der Frequenzgang spielt in vielerlei Hinsicht eine entscheidende Rolle. Zum einen entscheidet die Trennfrequenz eines gegebenenfalls vorhandenen Subwoofers, ob dieser frei im Raum platzierbar ist oder nicht. Subwoofer mit einer Trennfrequenz unter 100 Hz können bedenkenlos frei im Raum aufgestellt werden. Subwoofer mit einer Trennfrequenz ab 120 Hz sollten möglichst mittig zwischen den beiden Frontlautsprechern positioniert werden. Außerdem sollte auf ein möglichst lineares Frequenzspektrum geachtet werden. Das heißt, dass alle Frequenzbereiche möglichst gleich laut wiedergegeben werden. Im Zweifelsfall kann eine Tonausmessung mit einem Messmikrofon, welches die Lautstärke der einzelnen Frequenzbereiche darstellt, und ein anschließendes Optimieren mit einem Equalizer helfen. Oftmals reicht jedoch bereits ein geschultes Gehör, um zu erkennen, dass bestimmte Frequenzbereiche zu stark betont sind.
THX Zertifizierung
Einige äußerst hochwertige Computerlautsprechersysteme besitzen das so genannte THX Zertifikat. Hierbei handelt es sich keineswegs um ein bestimmtes Audioformat wie AC-3 oder DTS, es ist lediglich eine Zertifizierung, die das Erreichen eines bestimmten akustischen Qualitätsanspruchs verdeutlicht. Die Firma THX Ltd. wurde 1983 von George Lucas (Krieg der Sterne, Indiana Jones etc.) gegründet und vergab früher Zertifizierungen für Lichtspielhäuser, welche dem gehobenen Qualitätsansprüchen von Lucas für die Vorführung seiner Filme genügten. Heute hält diese Zertifizierung auch im Heimkinobereich Einzug und selbst Computersysteme werden mit dem THX Logo versehen. Ob sich die Kosten für die Zertifizierung, welche letztlich in Form eines höheren Kaufpreises auf den Kunden umgewälzt werden, tatsächlich lohnen, sei dahingestellt.
Fazit
Stellt sich letztlich die Frage, für welchen Anwender welches System geeignet ist. Wer seinen Computer lediglich für Office-Anwendungen nutzt und nur gelegentlich Audiodateien wiedergibt, dem sollte ein herkömmliches 2-Kanal Lautsprechersystem genügen. Computerspielern, die insbesondere in Ego-Shootern Wert auf realistischen Raumklang legen und Anwendern, die häufig Musik hören oder gelegentlich Filme auf dem Computer betrachten, sei ein 2.1 oder gar 5.1 Dolby Digital System ans Herz gelegt. Wer seinen Computer als Media Center im Wohnzimmer betreibt und auch über größere Distanzen lauten und zugleich satten und verzerrungsfreien Ton wünscht, der sollte über den Kauf und Anschluss eines HiFi Verstärkers mit entsprechenden Wohnzimmerlautsprechern nachdenken. Unsere Produktberater zu Verstärkern und Lautsprechern sollten Ihnen hier weiterhelfen.
Autor: Ahmet Altun