"Yami no Matsuei" von Yoko Matsushita - vom 29.01.2007

Seelenfänger, Todesgeist, Todesgott – so würde man den japanischen Begriff des Shinigami am ehesten übersetzen, der in der Manga-Reihe „Yami no Matsuei“ von Yoko Matsushita im Mittelpunkt steht. Im der alten japanischen Mythologie wurden diese Wesen zum Teil sogar als der Tod in Person angesehen, und auch in Matsushitas Werk ist das zum Teil richtig - aber nun einmal nicht ganz.
Hauptperson ist hier der 80-jährige Shinigami Tsuzuki Asato, der sich aufgrund seines frühen Todes jedoch das Äußere eines jungen Mannes bewahrt hat. Er arbeitet im Juo-Cho im Jenseits, einer Art Gerichtshof für verirrte Seelen von Toten, an dem die Kirschbäume stets in Blüte stehen. Die Shinigami sind hier eine Art von Agenten, die den Toten ins Jenseits helfen sollen. Was interessant ist – die Mitarbeiter des Juo-cho sind selbst verirrte Seelen von Verstorbenen, die sich jedoch aufgrund von besonderen Fähigkeiten für die Arbeit als Seelenjäger qualifiziert haben.
So mystisch das auch alles sein mag – Tsuzuki fällt erst einmal aus dem Bild. Er ist seit der Ewigkeit, seit der er arbeitet, ein kleiner Schreibtischarbeiter mit einem Haufen Schulden – das wirft ihm der strenge, aber fähige Finanzier der Firma, Tatsumi, immer wieder vor – und hat eine enorme Schwäche für Süßkram. Ganz davon abgesehen ist er seelisch alles andere als stabil und schwankt zwischen Sorglosigkeit und selbstzerstörerischen Grübeleien. Und gerade ihm wird der 16-jährige Kurosaki Hisoka als Partner zugeteilt, ein für sein Alter viel zu ernster Junge, der als Jugendlicher ermordet und verflucht wurde und dessen kühles Äußeres seine Verletzlichkeit verbergen soll – Hisoka spürt nämlich aufgrund seiner Empathie die Gefühle der Menschen um ihn herum wie seine eigenen. Und der nervöse, viel zu fröhliche Tsuzuki macht ihm natürlich zu schaffen.

Tsuzuki (r.) und Hisoka
Doch trotz Anfangsschwierigkeiten – als Tsuzuki und Hisoka bei ihrem ersten Auftrag, einer Reihe von Vampir-Toten, zusammenarbeiten müssen, fangen sie an, ein Team zu werden. Vor allem da Tsuzuki seinen neuen Partner damit überrascht, dass der kindisch wirkende Agent 12 mächtige Jenseitsgeister unter seinem Befehl hat – wer ist Tsuzuki nur wirklich?
„Yami no Matsuei“ glänzt vor allem durch seine abwechslungsreichen, tiefgründigen Charaktere. Niemand ist, was er zu sein scheint, und jeder hat mehrere Seiten, die erst nach und nach aufgedeckt werden, wodurch ein Schwarz-Weiß-Denken fast vollkommen unmöglich gemacht wird. Die Geschichten sind sehr abwechslungsreich – Tragik und Humor kommen hier gleichermaßen zum Zug. Vor allem die spannungsgeladene Dreiecks-Beziehung zwischen Hisoka, Tsuzuki und dem mysteriöses Art Muraki Kazutaka steht hier im Mittelpunkt.
Die Zeichnungen sind lebendig und detailliert, oft sehr düster und mystisch, aber oft auch sehr komisch und einfühlsam. Ein grandioser abwechslungsreicher Fantasy-Thriller also!
„Yami no Matsuei“ ist bisher in 11 Bänden erschienen (Preis pro Band: 6 €).
Autor: KF