Impressum
Preisvergleich.org

News

Shopverzeichnis

Produktberater

Thomas Vinterbergs und Lars von Triers "Dear Wendy" auf DVD - vom 28.10.2006

Amerikas Problem mit dem zweiten Zusatz der Verfassung, dem Recht auf Waffenbesitz, ist allerspätestens mit Michael Moores "Bowling for Colombine" in den Blickpunkt öffentlichen Interesses gerückt. Wie man sich dem Thema auch auf fiktionalem Wege annähern kann, zeigen die beiden ehemaligen Dogma-Vertreter Thomas Vinterberg ("Das Fest", "It's All About Love") und Lars von Trier ("Dogville", "Land of the Plenty") mit "Dear Wendy", bei dem ersterer Regie führte und letzterer für das Drehbuch verantwortlich zeichnet.

Der junge Dick (Jamie Bell ["Deathwatch", "Billy Elliot - I Will Dance"]) ist ein introvertierter und pazifistischer Außenseiter in einer heruntegekommenen Bergbausiedlung irgendwo in den USA. Eines Tages jedoch findet er einen Revolver, "Wendy", und erliegt Stück für Stück dessen Charme. Zusammen mit seinem Freund Stevie (Mark Webber ["Broken Flowers", "Schneefrei"]) gründet er die 'Dandies', um gemeinsam Schießübungen nachzugehen - allerdings verbunden mit einem eigens für den Club erstellten Ehrekodex, der unter anderem verbietet, auf Menschen zu schießen. Nach und nach schließen sich immer mehr junge Menschen der Gruppe an, immer mehr projizieren die einzelnen Mitglieder ihre eigene Größe und Stärke in die Waffe, bis es schließlich kommt, wie es kommen muss: Die ganze Sache läuft aus dem Ruder.

Vinterberg und von Trier inszenieren ein aufregendes Thema in sehr unaufgeregten Bildern und einer noch unaufgeregteren Geschichte. Wer nach großer Action und einer reißerischen Verarbeitung sucht, wird hier definitiv nicht fündig. Viel spielt sich auf einer rein psychischen Ebene ab, die Verführung der Macht und Gewalt durch ihre Symbole genauso wie das stetig steigende Gewaltpotential, das sich geradezu unsichtbar im Hintergrund aufbaut, bis es sich schließlich fulminant entlädt. Bei all dem wird aber die Hingebung an die Waffe teils in einem solchen Maße überzeichnet, dass man mit der Etikettierung "Satire" ganz gewiss nicht daneben liegt.

Autor: mw

Kommentare von Usern: