Stefan Slupetzky "Das Schweigen des Lemming" - vom 30.12.2006
Eines ist der Wiener Künstler Stefan Slupetzky ganz bestimmt nicht: Einseitig. Seit Jahren schreibt der Mittvierziger fürs Theater, musiziert, malt, illustriert und ist obendrauf noch Schauspieler. Vor zweieinhalb Jahren hat er sich nun an das Medium Krimi gewagt mit einer Romanserie, deren erster Band 2004 mit dem Glauser für das beste Debüt ausgezeichnet wurde, dem Oscar der Vereinigung deutschsprachiger Kriminalautoren. Der dritte Band, „Das Schweigen des Lemming“, ist nun erschienen.
Doch da Slupetzky alles andere als eindimensional ist, reicht ihm die Bezeichnung „Krimi“ für seinen Roman nicht. Er findet, dass dies dem Werk nicht gerecht würde, und auch Personen, die keine Kriminalliteratur lesen, mit solch einem Pauschalurteil „dann eigentlich etwas versäumen, was sie vielleicht in Wahrheit sogar sehr interessant fänden."
Tatsächlich ist sein Protagonist alles andere als ein Held des klassischen Kriminalgenres. Lemming ist ein eigenbrötlerischer Ex-Polizist, der nun im Wiener Zoo Schönbrunn arbeitet. Slupetzky schafft gern skurril wirkende Grundsituationen, die er als Erzähler jedoch sehr ernst nimmt, ganz wie zu Beginn seines dritten Romans, als der Tierpark-Arbeiter Lemming vorm Pinuguin-Gehege steht, wo zwölf Tiere um einen toten Artgenossen stehen. Der Autor macht es sich nicht leicht mit dem Plot, hatte er doch wochenlang einen Traum von einem erhängten Pinguin gehabt, ein Bild, das er so glaubhaft an den Anfang seines neuen Roman stellen wollte.
Das Thema, das seine Bücher durchzieht, ist der Weltekel. Der Ekel vor den Mechanismen der Welt und ihren Funktionsweisen, seine Waffe dagegen ist der Humor. Der schwarze, schräge Humor, der alle „Lemming“-Bände durchzieht und den Slupetzky auch als Privatperson gerne benutzt.
Wer „Das Schweigen des Lemming“ zur Hand nimmt, kann sich auf einen melancholischen, schwarz-humorigen untypischen Krimi freuen, der durch einen außergewöhnlichen Antiheld-Protagonisten besticht.
Quelle: hr-online.de
Autor: KF