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Schach - ein bedenkliches Spiel? - vom 19.04.2007

In einer Zeit, in der gerne gegen vermeintlich Gewalt verherrlichende Spiele aller Art - zuforderst gegen so genannte Ego-Shooter - gewettert wird, vergisst man allzu leicht, dass eines der bekanntesten, beliebtesten und angesehensten Spiele ein Kriegsspiel ist: Schach. Auch wenn sich das Spiel verhältnismäßig abstrakt ausnimmt, ist der kämpferische Aspekt doch alles andere als zu vernachlässigen - schließlich geht es um den Sieg über den feindlichen König und dessen Armee. Etwas martialischer drückte es der Schachgroßmeister Bobby Fischer einmal aus: "Beim Schach geht es darum, das Ich des Gegners zu unterwerfen, sein Ego zu zerbrechen und zu zermalmen, sein Selbstbewusstsein zu zertreten – und es zu verscharren, und seine ganze verachtenswerte, so genannte Persönlichkeit ein für alle Mal zu Tode zu zerhacken." Bei diesen Worten dürften die Alarmglocken eines Herrn Beckstein laut zu schrillen beginnen, ist doch eine weitere Ursache für Amokläufer und die zunehmende moralische Verwahrlosung der Jugend gefunden...

Ursprünglich aus dem Chinesischen stammend, verbreitete sich das Spiel schnell bis nach Persien und wanderte im Rahmen des Expansion des Islam immer weiter nach Westen, bis es im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit nach Europa gelangte. Den Reiz des Schachs dürfte wohl zu einem guten Teil die Kombination des komplett ausgeschlossenen Zufallsmomentes und die große Variabilität möglicher Züge sein, die jedem Spieler in jeder Runde zur Verfügung stehen. Ohne auf so etwas wie Glück hoffen zu dürfen und ganz auf ihren Intellekt zurückgeworfen, duellieren sich die beiden Kontrahenten und können neben der Entwicklung des eigenen Spiels nur auf eine Schwäche im (Gedanken-)Aufbau des Gegenübers hoffen. Es ist die Eleganz der Logik, die minimalistische Ästhetik der Kohärenz, die Schach so attraktiv wie zeitlos werden lässt. Das Zusammentreffen strategischer Elemente mit dem Training logischen (Voraus)Denkens macht einen nicht unerheblichen Reiz des Schachspiels aus - und zwar bis heute.

Quelle: amazon.de, wikipedia.de
Autor: mw

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