Leopold von Sacher-Masoch: "Venus im Pelz" - vom 30.12.2006
Severin ist ein galizischer Gutsherrensohn, der sein Leben damit verbringt zu dilettieren. Er dilettiert in der Musik, in der Literatur und sogar "im Leben" selbst, wie er meint. Abgeschieden auf einem Bauernhof lebend, macht er eines Tages die Bekanntschaft Wanda von Dunajews, einer schönen jungen Witwe, die ihn bei ihrer ersten Begegnung des Nachts auf einem umliegenden Feld einen Pelz tragend erschreckt. Beide fühlen sich zueinander hingezogen, doch glaubt Severin, Wanda nur lieben zu können, wenn sie grausam gegen ihn ist und ihn wie einen Sklaven behandelt - bei all dem allerding stets einen Pelz trägt. Wanda sind diese Anwandlungen unangenehm, doch gibt sie Severins drängen allmählich nach und verhält sich ihm gegenüber so, wie er es wünscht - und muss feststellen, dass sie zusehend Gefallen an ihrer Rolle findet. Gemeinsam reisen die beiden nach Florenz, um dort ihre Beziehung in aller Anonymität leben zu können - doch die Situation droht zu eskalieren...
Auch wenn Leopold von Sacher-Masoch der unfreiwillge Namensgeber des Masochismus ist und dieser Begriff zudem seine Existenz zu guten Teilen Sacher-Masochs Roman "Venus im Pelz" schuldet, könnte man doch nicht falscher liegen, wenn man das Werk für einen Porno hielte. Nicht nur, dass es faktisch keine expliziten Szenen gibt, auch liegt das Hauptaugenmerk des Autors auf der Entwicklung seiner Charaktere und deren Beziehung zueinander. "Venus im Pelz" ist ein sorgfältig komponierter Entwicklungsroman und alles andere als eine pubertäre Schmuddellektüre, ein Roman, der mit zahllosen Zitaten gespickt und viel Ironie verfasst worden ist und so den Leser manches Mal still schmunzeln lässt. Dass Sacher-Masoch einer der meist gelesenen Autoren seiner Zeit war und einen Bestseller nach dem anderen schrieb, ist heute fast vergessen, wird sein Name doch - wenn überhaupt - nur noch mit "Venus im Pelz" in Verbindung gebracht. Der aufgeschlossene Leser kann jedoch froh sein, dass wenigstens diesem Werk der Zahn der Zeit (und der des Zeitgeistes) nichts anzuhaben vermochte, wäre ihm ansonsten doch nicht nur eine wirklich unterhaltsame Lektüre entgangen, auch wäre ihm der Zugang zum restlichen Werk Sacher-Masochs verwehrt geblieben.
Autor: mw
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