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J. G. Ballard: "Crash"/"Die Betoninsel"/"Der Block" - vom 30.12.2006

"Crash": Ein Mann ist von Sex besessen - vom Sex mit Autos (sic!), der sich im tödlichen Unfall mainfestiert, der die Vereinigung von Mensch und Maschine ermöglicht; er ist besessen vom Sex mit Unfallopfern und dem Nachstellen von Unfällen, die für Stars und Sternchen tödlich endeten - und er ist bereit, für diese Leidenschaft bis zum Äußersten zu gehen.

"Die Betoninsel": Robert Maitland ist ein junger, erfolgreicher Architekt, als sein Leben unvermittelt aus den Fugen gerät: Wegen überhöhter Geschwindigkeit kommt er von der Autobahn ab und stürzt zehn Meter in die Tiefe, wo sein Wagen auf einer Verkehrsinsel landet und sich überschlägt. Verletzt wartet er auf Rettung, von der er glaubt, dass sie jeden Augenblick eintreffen muss. Doch niemand kommt, keiner der vorbeiziehenden Autofahrer bemerkt ihn, und er ist zur Erkenntnis gezwungen, dass er gestrandet ist, ohne dass ihn jemand wirklich vermisst. Je länger er auf diesem öden Flecken Land bleibt, der in Sichtweite der Hochhäuser Londons liegt, desto mehr identifiziert er sich mit der Insel...

"Der Block": Nach seiner Scheidung will sich Robert Laing etwas gönnen, und so zieht er in eine teure Luxuswohnung in einem 40-stöckigen Hochhaus in ruhiger Lage. Die Menschen sind freundlich, rücksichtsvoll und legen auf gepflegten Umgang wert. Das Idyll erhält allerdings erste Risse, als alle Apartments belegt sind: Die Bewohner werden immer aggressiver, und die anfangs unterschwellige Unmut wird offen zur Schau getragen. Akte von Vandalismus häufen sich, es kommt verstärkt zu handgreiflichen Auseinandersetzungen, und schließlich befinden sich die einzelnen Stockwerke in 'Stammesfehden' untereinander. Keiner der Hausbewohner unternimmt einen Versuch, diesem Treiben ein Ende zu setzen, sondern scheint dem allgegenwärtigen Niedergang mit einer gewissen Euphorie gegenüberzusetehen...

Auch wenn James Graham Ballard eigentlich Science Fiction-Autor ist, ist er doch keineswegs auf dieses Genre zu beschränken, wie die Romansammlung "Crash"/"Die Betoninsel"/"Der Block" eindrücklich beweist. Letztlich geht es Ballard immer um den Menschen in der (Post)Moderne, den Menschen in einer gänzlich maschinisierten, automatisierten und damit fragmentierten und anonymisierten Welt. Die Zivilisationsmüdigkeit, die in allen drei Werken durchscheint, ist eine Konstante, die sich in jedem Roman anders manifestiert: Ist es in "Crash" der Todestrieb in Kombination mit der Auslotung einer neuen Sexualität in einer veränderten Umwelt, stellt "Die Betoninsel" eine moderne Robinsonade dar, eine Reise des Protagonisten zu sich selbst, die ihn zum kontinuierlichen Überdenken seiner Prioritäten zwingt, während "Der Block" auf die fragile Oberfläche so genannter "Zivilisiertheit" verweist, auf die die westliche Welt sich nicht gerade wenig einbildet. Stilsicher und atmosphärisch dicht analysiert und seziert Ballard den Zustand der Welt und der Gesellschaft, die ihn umgeben, und auch wenn die Romane teilweise vor über 30 Jahren erstveröffentlicht wurden, haben sie an Aktualität und Intensität nichts eingebüßt. Ganz nebenbei beweist Ballard noch, dass es keiner übernatürlicher Erscheinungen bedarf, um tief gehenden Horror zu erzeugen. Nichts für zartbesaitete Gemüter.

Autor: mw

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